Berliner Testament Nachteile Steuer

Berliner Testament Nachteile

Wie alle Ding hat auch das Berliner Testament Nachteile. Vor dem Abfassen sollte man sich damit beschäftigen und die unzweifelhaften Vorteile dagegen abwägen.

#1 Steuern

Ein Berliner Testament Nachteil ist die Erbschaftssteuer. Dies ist leider ein großes Problem, vor allem bei größeren Nachlässen. Dies kommt bei beiden Varianten vor, sowohl bei der Einheits- wie auch der Trenungslösung.

In der Einheitslösung werden die Kinder im ersten Erbfall enterbt, der Ehegatte Vollerbe und erst im zweiten Erbfall erhalten die Kinder als Schlusserben das gesammelte Vermögen. Im ersten Erbfall hat man daher statt mehreren nur einen Erben mit einem einzigen Freibetrag von 500.000 Euro. Wird dieser überschritten, fällt Erbschaftssteuer an. Im zweiten Erbfall gibt es so viele Erben wie Kinder mit Freibeträgen von je 400.000 Euro. Allerdings ist hier das Vermögen von Mutter und Vater zusammen vererbt, so dass auch höheres Vermögen Erbschaftssteuer auslösen kann.

Auch bei der Trenungslösung hat das Berliner Testament Nachteile bezüglich der Erbschaftssteuer: hier fallen sogar 3 Erbfälle an. Der erste Erbfall hat mit dem Ehegatten einen besteuerten Vorerben. Im 2. Erbfall sind die Kinder „normale“ Erben des 2. Elternteils, aber Nacherben des 1., so dass sie auch zweifach zur Kasse gebeten werden.

Eine Lösung dieses Dilemmas können Geldvermächtnisse schon im ersten Todesfall oder gar Schenkungen zu Lebzeiten sein.

 

#2 Bindungswirkung

Erfahren Sie hier mehr zur Bindungswirkung des Berliner Testaments.

 

#3 Gefahr durch Pflichtteile

Wer an Berliner Testament Nachteile denkt, vergisst oft die Gefahr, die von der Enterbung der Kinder ausgeht. Schließlich werden diese ja schlussendlich als Erben eingesetzt. Allerdings kann es sein, dass die Kinder schon im ersten Erbfall auf das Geld angewiesen sind oder sie sich aufgrund der Bindung des Vermögens z.B. in Immobilien lieber auszahlen lassen als irgendwann einmal ein Haus zu erhalten, das teuer im Unterhalt ist. Hier schützen meist Pflichtteilsstrafklauseln vor der Geltendmachung der Pflichtteile. Sie sanktionieren die Forderer von Pflichtteilen und begünstigen die übrigen Erben.

Aufpassen sollte man bei den Klauseln, dass sie nicht einen ungewünschten Effekt haben. Denn steuerlich kann es ausnahmsweise von Vorteil sein, wenn die Kinder tatsächlich schon ihren Pflichtteil fordern (siehe #1). Sollte nämlich ansonsten beim überlebenden Ehegatten zu viel Erbschaftssteuer anfallen, wäre in Summe mehr erreicht, wenn die Kinder ihren Pflichtteil einfordern. Das würden sie natürlich nicht tun, wenn sie durch die Klauseln bestraft würden. Hier kann dem überlebenden Ehegatten Freiheit eingeräumt werden, auf die Geltendmachung der Klauseln in so einer Konstellation zu verzichten anstatt eine starre Klausel durchzusetzen, an die z.B. ein Testamentsvollstrecker gebunden ist.